Literaturwettbewerb


Donnersberger Literaturtage 2009

- Die Schriftstellerinnen des Nordpfalzgymnasiums überzeugen erneut!

 

Im Mai 2009 fanden zum zweiten Mal die Donnersberger Literaturtage statt, an denen die Schüler der 10.-12. Klassen aller Schulen des Donnersbergkreises mit Prosa und Lyrik zum Thema Windows-Fenster teilnehmen konnten. Von 86 eingereichten Beiträgen wurden die 13 besten während der Literaturtage vorgetragen und die drei gelungensten mit Preisen ausgezeichnet.

Unsere Schule überzeugte erneut durch ihre Leistung: Sinead Keller erschrieb sich den 2. Platz, aber auch Alina Fischer, Paula Sießl, Julia Ebert, Lea Ochßner und Julia Sophie Brandt durften ihre gelungenen Werke vor dem interessierten Publikum präsentieren.

Preisträgerbig

Weitere Informationen zum Wettbewerb: http://www.dltage.de/

 

Vögel würden fliegen        von Sinead Keller (2. Platz)

 

Es ist ein nebliger Tag. Trotzdem fliegen die Vögel.                 

Vögel fliegen immer.

So lang sie möchten.   So hoch sie möchten.       Und so weit sie möchten.

Sie können weit; weit weg. Ein Vogel ist eben frei.

„Paul, komm her und iss’ etwas.

                   Bald kommt Vater!“

Vögel haben keine Väter. Vögel sind frei.

„Du musst doch etwas essen, Kind.“

Vögel müssen nichts. Vögel sind frei.

Es ist egal, wann Vater kommt.

Es tut nichts zur Sache, ob man vorher was gegessen hat.

Ins Zimmer kommt er sowieso.

                   „Paul, nun sei doch nicht so.

 Ich will dir doch helfen.“

Brauchen Vögel Hilfe?

Vögel sind frei, sie bedrückt nichts.
„Dann bleib dort sitzen, an deinem Fenster.“

Die Mutter geht.

Der Vater kommt.

 

Es dauert nicht lange, bis die erste Vase klirrt.

Jetzt fängt es wieder an.

Man hört die Mutter weinen.

Der erste Teller geht zu Bruch.

 

Ein Vogel würde jetzt fliegen.

Aus dem Fenster hinaus, weit, weit weg.

Weg von dem Geschrei und den Scherben.

Und weg von Vater.

In die Freiheit.

Jetzt kommt er her, die Tür fliegt auf.

„Du Nichtsnutz sitzt wieder am Fenster und starrst?“

Ein Vogel würde fliegen.

„Schau mich an, wenn ich mit dir rede!


                   Du faules Stück! Noch frech sein?“

Ein Vogel würde fliegen.

Auf die rechte Wange die Erste.

Gleich danach die linke.

Ein Vogel würde sich auch nicht wehren können.

„Sitz nicht so da. Es reicht dir wohl noch nicht?!“

 

Mit der Faust auf den Brustkorb.

Ein Vogel würde sich nicht wehren.

Aber er würde fliegen.

 

Den Gürtel auf den Rücken. Zwei-, Dreimal.

Schmerz pocht und trotzdem kein Ton.

Vögel singen auch nur, wenn sie fröhlich sind.

 

Plötzlich kommt die Mutter ins Zimmer.

„Du wagst es, hier hereinzuplatzen?“

Die Mutter erwidert nichts.


Vögel würden fliegen.

Der Vater geht auf die Mutter los.

Vögel würden fliegen - fort fliegen.

Der Vater holt aus.

 

Vögel                 fliegen.

Zweiter Platzbig


 

 

 

 


 

Die Donnersberger Literaturtage  

Die Donnersberger Literaturtage werden vom Literarischen Verein der Pfalz seit diesem Jahr ausgerichtet und sollen alle zwei Jahre in Rockenhausen stattfinden. In diesem Jahr konnten die Schulen im Umkreis des Donnersberges jeweils 20 Texte von Schülern der Oberstufe einreichen, die sich thematisch dem Thema „Zimmer“ zuordnen ließen. Diese Texte wurden dann von einer Jury bewertet und während der Donnersberger Literaturtage vorgestellt und ausgezeichnet.Der Preis für die beste Arbeit wurde nach der Pfälzer Dichterin Susanne Faschon (1925-1995) benannt. Janine Frey vom Nordpfalzgymnasium ist die Siegerin der diesjährigen Donnersberger Literaturtage. Aber auch die Leistungen der anderen Teilnehmer vom Nordpfalzgymnasium waren überzeugend: Von den 14 Arbeiten, die während der Literaturtage präsentiert wurden, stammten sieben Texte von Schülern unserer Schule, wie das Erinnerungsfoto beweist:      

Preisträgerbig

Mehr Infos gefällig? http://www.thyr.info/

Begegnung in der Hotelhalle „Sie standen sich gegenüber, nach all den Jahren standen sie sich gegenüber. In dieser kleinen Hotelhalle, in diesem alten, schäbigen Hotel. Er war aus dem halbdunklen Raum, in dem feierlich gedeckte Tische einer vielleicht nie kommenden Festtagsgesellschaft harrten, in die beleuchtete Halle getreten. Die leisen Schritte hatten sie, jäh aus ihren müßigen Gedanken gerissen und von der Erinnerung eingeholt, aufblicken lassen. Sie standen sich gegenüber. Stumm und erstarrt wie die beiden griechischen Säulen, die die Theke der verwaisten Rezeption schmückten. Überbleibsel. Hölzern und verstaubt.
   Er ist alt geworden, dachte sie, während sie zu ihm hochsah und die lichten Stellen bemerkte. Das weiße Haar steht ihm nicht. Sie konnte sich noch gut daran erinnern, welche Farbe es früher gehabt hatte: Tiefschwarz war es gewesen. Die Sonne hatte es zum Leuchten gebracht, an jenem Tag auf der Bergwiese, inmitten bunter Blumen und eingerahmt von den aufragenden, in den Wolken verschwindenden Gipfeln. 
  Sie ist alt geworden, dachte er und sah auf sie hinunter. Ihr Haar ist weiß wie das meine, keine Spur mehr von den wilden Engelslocken, die sie damals hatte, an jenem nie vergessenen Tag. Eine Dame war sie geworden, reich durch das Geld eines anderen. Er versuchte unter dem seidenen Kleid mit dem teuren Pelzmantel, dem mit fremden Federn geschmückten Hut und dem auf jung getrimmten Gesicht mit den erstarrten Zügen das junge Mädchen wieder zu erkennen, das zusammen mit ihm im duftenden Gras der Bergwiese gelegen und seinen Worten gelauscht hatte, als erzähle er ein schönes Märchen. Und ein Märchen waren sie geblieben, die Luftschlösser, die sie damals gemeinsam gebaut hatten. Begonnen hatte es mit diesen Märchen, aber für ihn waren sie zu einem Albtraum geworden.
Der alte, abgenutzte Sessel neben ihr war frei. Ein leerer Platz an ihrer Seite, über dem fast greifbar ein allgegenwärtiger Schatten lag.    Wird er mich fragen?, überlegte sie. Wird er mich endlich fragen warum? Sie hatte sich eine Antwort zurechtgelegt, damals. Aber er hatte nicht gekämpft. Hatte sie nur angesehen und war dann gegangen. War mit hängenden Schultern einfach gegangen und hatte sie einem anderen überlassen.  Wie viele Jahre sind seither vergangen?, fragte er sich. Er hatte sie gezählt, aber jetzt war es, als wären sie nie gewesen. Lange Jahre voll quälender Fragen. Er hatte sie seit damals nicht mehr gesehen. Er hatte sich überlegt, was er zu ihr sagen würde, aber auch die zurechtgelegten Wörter waren verschwunden. Auf einmal waren sie unwichtig. Jetzt, wo sie sich gegenüberstanden, spielte es keine Rolle mehr, warum. Ihm war, als fiele endlich eine schwere Last von ihm.“
              Mit einem dumpfen Laut klappte das Buch zu. Es ist doch immer dasselbe, dachte sie, beugte sich vor und steckte den abgegriffenen Roman in ihre Handtasche. Alles nur Fiktion. Alles nur erfunden. So etwas passiert doch nicht in Wirklichkeit. Sie stand auf und strich den feinen Stoff ihres blauen Sommerkleides glatt. Griff nach der Handtasche und warf einen kurzen Blick auf das seltsame Paar am anderen Ende der Hotelhalle, jenseits des schmalen, grünen Teppichs, der sich wie ein leuchtendes Band über den gefliesten Boden bis zur Rezeption zog und den Fußboden in zwei Hälften teilte. Ihre Hälfte war in helles Sonnenlicht getaucht, die andere gesprenkelt mit einem Muster aus Helligkeit und Schatten. Eine ältere Frau und ein älterer Mann. Sie, offenbar wohlhabend und mit matten Augen, er, zerknittert wie nach einer langen Reise, aber aufrecht als hätte er sein Ziel endlich erreicht. Sie sahen sich an, als würden sie sich kennen, aber sie sagten kein Wort. Wirklich ein seltsames Paar. Ihr Blick streifte das Gemälde über dem Kopf der alten Dame. Ein seltsamer Stilmix: Eine düstere Berglandschaft in Öl zwischen zwei griechischen Säulen. Sie schüttelte den Kopf. Dann drehte sie sich um, ging den grünen Teppich entlang und verließ die Hotelhalle durch die altmodische, gläserne Drehtür. Ein nach Frühling riechender Windhauch verfing sich in ihren blonden, lockigen Haaren. Auf sie wartete der Zug in die Berge.  

Mit diesem Text gewann Janine Frey (MSS 11) den Susanne-Faschon-Preis.